Wie Pilates die körperliche Fitness von IT-Profis bei sitzender Tätigkeit stärkt
Nach Angaben des EPRA International Journal of Multidisciplinary Research verbesserte ein zwölfwöchiges Pilates-Training mehrere körperliche Fitnesskomponenten bei weiblichen IT-Beschäftigten.
Jannis Weidner·aktualisiert 06. September 2026

Untersucht wurden unter anderem Rumpfstabilität, Beweglichkeit und Gleichgewicht. Für Menschen mit überwiegend sitzender Arbeit ist die Studie deshalb relevant, sie liefert jedoch vor allem einen begrenzten Hinweis auf den Nutzen eines strukturierten Mattentrainings.
Was die Untersuchung erfasst hat
An der Untersuchung nahmen 30 Frauen aus dem IT-Bereich im Alter von 35 bis 45 Jahren teil. Die Probandinnen wurden in zwei gleich große Gruppen mit jeweils 15 Personen eingeteilt. Eine Gruppe absolvierte Pilates, die andere diente als Kontrollgruppe.
Das Training fand über zwölf Wochen an drei Tagen pro Woche statt. Erfasst wurden mehrere körperliche Parameter:
- kardiovaskuläre Ausdauer
- Beweglichkeit
- Gleichgewicht
- muskuläre Ausdauer
- Core-Stabilität
Nach Angaben der Veröffentlichung zeigte die Trainingsgruppe signifikante Verbesserungen bei den untersuchten Fitnesskomponenten. Die Auswertung erfolgte mit einem unabhängigen t-Test. Die Quelle nennt damit nicht nur einen subjektiven Eindruck der Teilnehmerinnen, sondern eine statistische Gegenüberstellung von Trainings- und Kontrollgruppe.
Für die Pilates-Praxis ist vor allem die Kombination der Messgrößen relevant. Rumpfstabilität steht nicht isoliert. Sie hängt in der Bewegung mit Gleichgewicht, Beweglichkeit und der Fähigkeit zusammen, Muskelspannung über längere Zeit zu halten. Ein Programm, das mehrere dieser Faktoren gleichzeitig adressiert, kann für Menschen mit langen Sitzzeiten grundsätzlich sinnvoller sein als ein Ansatz, der nur einzelne Muskelgruppen belastet.
Was sich daraus für die Praxis ableiten lässt
Die Untersuchung spricht für ein regelmäßiges, strukturiertes Training. Der entscheidende Punkt ist nicht eine einzelne Übung, sondern die Kontinuität über zwölf Wochen mit drei Einheiten pro Woche. Für die Auswahl eines Kurses sollte daher geprüft werden, ob der Aufbau progressiv ist und ob neben der lokalen Bauchmuskulatur auch Becken, Wirbelsäule, Schultergürtel und Atmung koordiniert arbeiten.
Bei der Rumpfstabilität geht es nicht um maximale Anspannung. Entscheidend ist die kontrollierte Kraftübertragung zwischen Becken, Wirbelsäule und Extremitäten. Isometrische Haltearbeit, langsame Bewegungsphasen und eine präzise Ausrichtung können dabei eine höhere Belastung erzeugen, als es die geringe Bewegungsgeschwindigkeit vermuten lässt. Der Fokus liegt auf dem neuromuskulären Zusammenspiel, nicht auf möglichst vielen Wiederholungen.
Für Personen mit sitzender Tätigkeit ist außerdem die Bewegungsqualität während des gesamten Tages relevant. Die Studie untersucht ein festgelegtes Pilates-Training. Sie belegt nicht, dass einzelne Kurzübungen automatisch dieselbe Wirkung haben. Ebenso lässt sich aus den vorliegenden Angaben nicht ableiten, wie lange die Verbesserungen nach dem Ende des Trainings anhielten oder ob die Ergebnisse auf andere Altersgruppen und Personengruppen übertragbar sind.
Warum die Einordnung wichtig bleibt
Die Daten stammen aus einer einzelnen Untersuchung mit 30 weiblichen IT-Beschäftigten. Das begrenzt die Aussagekraft. Die Ergebnisse sind ein Hinweis auf mögliche Verbesserungen von Rumpfstabilität und allgemeiner Fitness unter den beschriebenen Bedingungen, kein allgemeiner Nachweis für jede Pilates-Methode.
Wer ein Training auswählt, sollte deshalb weniger auf pauschale Versprechen als auf die konkrete Struktur achten: regelmäßige Einheiten, klare Übungsanweisungen und eine Belastungssteuerung, die sich an Beweglichkeit und Kraft der einzelnen Person orientiert. Bei bestehenden Beschwerden sollte zudem geklärt werden, ob die Übungen angepasst werden müssen.
Für die Nische zwischen Pilates und funktioneller Körperarbeit ist die Meldung dennoch relevant. Sie verschiebt den Blick weg vom Pilates als bloßer Entspannungsform. Im Zentrum stehen Rumpfkontrolle, Gleichgewicht und belastbare Bewegungskoordination. Genau diese Faktoren entscheiden darüber, ob ein Mattentraining im Alltag praktisch nutzbar wird.