adhuna-veda
Meldung

Warum die Fitness-Routine einer 75-Jährigen kein allgemeiner Trainingsplan ist

Laut Awaz The Voice geht aktuell die 75-jährige Sushila Bohra aus Indien viral – mit einer Mischung aus Yoga, Stretching und Krafttraining, die ihre Enkelin Dr.

Stefan Dietrich·aktualisiert 08. September 2026

Warum die Fitness-Routine einer 75-Jährigen kein allgemeiner Trainingsplan ist

Simran Munot auf Instagram teilt. Schön für sie. Aber bevor du morgen im Krieger III zeigen willst, was du drauf hast: halt kurz inne. Was hier wirklich zählt, ist nicht die Pose, sondern das Prinzip.

Was die Routine tatsächlich zeigt

Bohra kombiniert laut dem Bericht Yoga, Stretching und Krafttraining. Ihre Enkelin schreibt, dass der Haushalt selbst das Workout sei und Disziplin sie antreibe. Genau das ist der Punkt, den die meisten überspringen: Es ist nicht die spektakuläre Asana, die hier beeindruckt, sondern die Konstanz. Täglich, jahrzehntelang, ohne Schielen auf den nächsten Trend.

Dr. Gazanfar Patel, orthopädischer Berater an den Wockhardt Hospitals Mumbai Central, betont im selben Bericht, dass nicht das chronologische Alter über die Belastbarkeit entscheidet, sondern Muskelkraft, Mobilität und Balance. Klingt banal – wird aber ständig ignoriert. Wer mit 30 unbeweglich ist, ist kein Vorbild. Wer mit 75 übt, ist auch keines – außer für sich selbst.

Der Mythos, den es zu zerlegen gilt

Die eigentliche Versuchung: Bohras Routine als Schablone für alle über 60 zu nehmen. Tiefe Vorbeugen, dynamische Surya-Namaskar-Flows, komplexe Vinyasas – genau das bleibt in den Köpfen hängen. Was es nicht ist: ein Freifahrtschein für jeden.

Patel weist im Bericht darauf hin, dass intensive Vorbeugen für Menschen mit Osteoporose, Wirbelsäulenproblemen, Schwindel oder eingeschränkter Gelenkbeweglichkeit ungeeignet sind. Wer jetzt glaubt, morgen einfach übernehmen zu können, was eine 75-Jährige jahrzehntelang aufgebaut hat – und sich mit voller Wucht in die Uttanasana stürzt – sollte vorher die Bremse ziehen. Nicht die Übung ist das Problem, sondern die ungebremste Übertragung.

Die ehrliche Reihenfolge: Erst Stand, dann Kraft, dann Komplexität. Nicht umgekehrt.

Was für deine Praxis zählt

Drei Dinge, die ich in jeder Stunde predige – und die der Bericht einmal mehr bestätigt.

Konsistenz schlägt Pose. Wer dreißig Jahre lang täglich übt, wird beweglicher als jemand, der einmal im Quartal einen Workshop besucht. Alltag ist Training. Aufstehen vom Stuhl, Treppen steigen, eine volle Wasserflasche tragen – das ist funktionale Kraft, keine Instagram-Ästhetik. Und: Anpassen statt kopieren. Senioren, Wiedereinsteiger und alle mit Vorerkrankungen wählen Bewegungen, die kontrolliert, schmerzfrei und individuell passen. Ein Physiotherapeut oder erfahrener Lehrer vor Ort schadet nie.

Das Alter ist keine Ausrede – aber auch keine Lizenz zur Schonungslosigkeit. Wer mit 30 ungeübt ist, sollte nicht mit 75 plötzlich Krieger-Asanas zeigen. Und wer mit 60 beginnt, muss nicht jede Bewegung aus dem Clip nachstellen. Übe, was geht. Lass weg, was nicht geht. Und komm morgen wieder auf die Matte.